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Alt 09.12.14, 19:43   #1
Dr. Strangelove
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Standard Über Kernkraft

Es ist nun schon fast 30 Jahre her, als ich als junger Mann ein Schlüsselerlebnis zu meinem Verhältnis zu Technik hatte.
Da war ein Professor, der uns in Konstruktion unterrichtete und uns gleich in der ersten Stunde die wichtigsten und heiligsten Grundsätze als angehende neue Daniel Düsentriebs erklärte.
„In der Mathematik gibt es Absolute“, sagte er.
„In der Mathematik gibt es Null und unendlich. In der Mathematik gibt es absolute Genauigkeit. Aber in der realen Technik, meine Herrschaften, in der Konstruktion, gibt es kein Null, und es gibt kein „Genau“. Es gibt bloß Toleranzen, Annäherungen und Risikoabschätzungen.“
„Bevor ihr ein Projekt überhaupt angeht“, fuhr er fort, „müsst ihr euch zuerst über die möglichen Konsequenzen klar sein. Ihr müsst euch fragen, was im schlimmsten Fall schiefgehen kann und welchen größtmöglichen Schaden ihr dabei anrichten könntet. Dieser Grundsatz gilt immer, egal, ob ihr einen Kran, eine Motor oder bloß eine Kaffeemaschine neu erschafft. Die Frage des maximal möglichen Schadens muss immer an erster Stelle stehen. Dann erst könnt ihr eine Risikoabschätzung vornehmen. Dann erst könnt ihr einen Sicherheitsfaktor wählen.
Grundsätzlich gilt: Je höher der maximal mögliche Schaden, desto höher der Sicherheitsfaktor, desto teurer das Projekt. Wenn der nötige Sicherheitsfaktor zu hoch ist und damit den Kostenrahmen sprengt, lasst die Finger davon. Wenn der maximal mögliche Schaden gar so hoch ist, dass er einen Sicherheitsfaktor verlangt, den man nicht einmal theoretisch erfüllen kann, denkt nicht einmal daran, es anzugehen. Wenn ihr es trotzdem tut und absichtlich den Faktor zu niedrig ansetzt, vielleicht um Kosten zu sparen, Menschenleben damit gefährdet, dann ist das kein normaler Fehler. Dann ist das ein Verbrechen.“

Diese Rede habe ich mir gut gemerkt. Ich habe sie stets berücksichtigt. Sie war mir in meinem Beruf sozusagen heilig. Sie ist natürlich nach wie vor für alle Techniker gültig, so, wie sie es immer war.
Natürlich halten sich nicht alle daran.

Ich lese hier gerade in diesen Tagen immer mehr Beiträge, in welchem die Kernkraft aggressiv verteidigt wird, diese labile technische Schaukel, die stets zwischen „gerade noch genug“ und „gerade noch nicht zu viel“ balanciert, wobei auf der einen Seite das „Nicht Funktionieren“ und auf der anderen die entfesselte Hölle der Elementarkräfte lauert, und ich frage mich, was das für Typen sind. Haben die überhaupt eine Ahnung, was sie da tun?
Wissen sie, was passiert, wenn der schlimmstmögliche Schaden eintritt?
Möchten sie in diesem Fall gerne den Opfern erklären, wie toll und umweltfreundlich doch diese Technik ist?
Wollen sie vielleicht in einem solchen Fall vorrechnen, wie billig doch der Strom ist, der auf diese Weise gewonnen wird? Vielleicht könnten sie ja auch die Betreiber der Kernkraftwerke Fukushima und Tschernobyl fragen, wie toll ökonomisch diese Kraftwerke sich gerechnet haben und das auf den Kilowattstundenpreis umrechnen?
Und wie, meine Herrschaften, rechnet man ein Menschenleben in diesen Preis mit ein?
Wie rechnet man krebskranke Kinder mit ein, wie die auf Jahrhunderte verseuchten Böden, das verstrahlte Meer, die Plutonium-verseuchten Fische, die womöglich auf den Tellern landen?
Wie rechnet man die permanente Angst der Bewohner einer Millionenmetropole wie Tokio mit ein, die sich vor einer radioaktiven Wolke fürchten, wenn der Wind aus der falschen Richtung weht?

Es mag der Tag kommen, da werden wir die Kernkraft besser nützen können, effizienter, mit überschaubarem Risiko, saubere Energie fast unbegrenzt. Möge er bald kommen. Man arbeitet bereits daran.
Die heute (immer noch) verwendeten Verfahren aber sind eine technische Katastrophe, eine Sauerei, ein Eiertanz auf dem Vulkan.
Sie sind nicht nur unverantwortlich. Sie sind ein Verbrechen, ein Mega-Verbrechen sogar. Man sollte ihre Betreiber und die Politiker, die es erlauben, einsperren, alle miteinander, wegen Gefährdung der Allgemeinheit.

So sieht‘s aus, meine Herrschaften, so und nicht anders.
Deshalb sollten sie der Deutschen Regierung zutiefst dankbar sein, dass sie wenigstens jetzt diesen Weg des Abschaltens eingeschlagen hat und sie nicht verdammen. Es wird sich nicht nur wegen der Risiko-Eliminierung auszahlen, sondern langfristig auch ökonomisch, auch wenn das in diesem Fall nun wirklich ihre kleinste Sorge sein sollte.
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Alt 09.12.14, 20:08   #2
Kleines Mäuschen
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Kleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein ForengottKleines Mäuschen ist ein Forengott
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Zitat:
Zitat von Dr. Strangelove Beitrag anzeigen
(...)
So sieht‘s aus, meine Herrschaften, so und nicht anders.
Deshalb sollten sie der Deutschen Regierung zutiefst dankbar sein, dass sie wenigstens jetzt diesen Weg des Abschaltens eingeschlagen hat und sie nicht verdammen. Es wird sich nicht nur wegen der Risiko-Eliminierung auszahlen, sondern langfristig auch ökonomisch, auch wenn das in diesem Fall nun wirklich ihre kleinste Sorge sein sollte.
Aber wenn man, so wie das Merkel-Deutschland, vollständig aus der Kernernergie aussteigt, dann wird man auch nicht bei der sichereren und effizienteren Entwicklung dieser Technologie dabei sein.
Die Nachfrage nach einschlägigen Studienplätzen läßt jedenfalls in Deutschland jetzt schon rapide nach.
Kleines Mäuschen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.12.14, 20:15   #3
Dr. Strangelove
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Zitat:
Zitat von Kleines Mäuschen Beitrag anzeigen
Aber wenn man, so wie das Merkel-Deutschland, vollständig aus der Kernernergie aussteigt, dann wird man auch nicht bei der sichereren und effizienteren Entwicklung dieser Technologie dabei sein.
Die Nachfrage nach einschlägigen Studienplätzen läßt jedenfalls in Deutschland jetzt schon rapide nach.
Die derz. Kernkraftbetreiber forschen nicht an etwas wirklich Neuem und Sicherem, KM. Sie konzentrieren sich bloß auf die Weiterentwicklung des herkömmlichen, (Wahnsinns)-Prinzipes.

Schau mal da:
http://www.handelsblatt.com/technolo...n/3252014.html
Das ist die Zukunft!
Wenn das einmal klappt, beginnt ein neues Zeitalter.
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Alt 09.12.14, 20:18   #4
KOTZFISCH
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Zitat:
Zitat von Dr. Strangelove Beitrag anzeigen
Es ist nun schon fast 30 Jahre her, als ich als junger Mann ein Schlüsselerlebnis zu meinem Verhältnis zu Technik hatte.
Da war ein Professor, der uns in Konstruktion unterrichtete und uns gleich in der ersten Stunde die wichtigsten und heiligsten Grundsätze als angehende neue Daniel Düsentriebs erklärte.
„In der Mathematik gibt es Absolute“, sagte er.
„In der Mathematik gibt es Null und unendlich. In der Mathematik gibt es absolute Genauigkeit. Aber in der realen Technik, meine Herrschaften, in der Konstruktion, gibt es kein Null, und es gibt kein „Genau“. Es gibt bloß Toleranzen, Annäherungen und Risikoabschätzungen.“
„Bevor ihr ein Projekt überhaupt angeht“, fuhr er fort, „müsst ihr euch zuerst über die möglichen Konsequenzen klar sein. Ihr müsst euch fragen, was im schlimmsten Fall schiefgehen kann und welchen größtmöglichen Schaden ihr dabei anrichten könntet. Dieser Grundsatz gilt immer, egal, ob ihr einen Kran, eine Motor oder bloß eine Kaffeemaschine neu erschafft. Die Frage des maximal möglichen Schadens muss immer an erster Stelle stehen. Dann erst könnt ihr eine Risikoabschätzung vornehmen. Dann erst könnt ihr einen Sicherheitsfaktor wählen.
Grundsätzlich gilt: Je höher der maximal mögliche Schaden, desto höher der Sicherheitsfaktor, desto teurer das Projekt. Wenn der nötige Sicherheitsfaktor zu hoch ist und damit den Kostenrahmen sprengt, lasst die Finger davon. Wenn der maximal mögliche Schaden gar so hoch ist, dass er einen Sicherheitsfaktor verlangt, den man nicht einmal theoretisch erfüllen kann, denkt nicht einmal daran, es anzugehen. Wenn ihr es trotzdem tut und absichtlich den Faktor zu niedrig ansetzt, vielleicht um Kosten zu sparen, Menschenleben damit gefährdet, dann ist das kein normaler Fehler. Dann ist das ein Verbrechen.“

Diese Rede habe ich mir gut gemerkt. Ich habe sie stets berücksichtigt. Sie war mir in meinem Beruf sozusagen heilig. Sie ist natürlich nach wie vor für alle Techniker gültig, so, wie sie es immer war.
Natürlich halten sich nicht alle daran.

Ich lese hier gerade in diesen Tagen immer mehr Beiträge, in welchem die Kernkraft aggressiv verteidigt wird, diese labile technische Schaukel, die stets zwischen „gerade noch genug“ und „gerade noch nicht zu viel“ balanciert, wobei auf der einen Seite das „Nicht Funktionieren“ und auf der anderen die entfesselte Hölle der Elementarkräfte lauert, und ich frage mich, was das für Typen sind. Haben die überhaupt eine Ahnung, was sie da tun?
Wissen sie, was passiert, wenn der schlimmstmögliche Schaden eintritt?
Möchten sie in diesem Fall gerne den Opfern erklären, wie toll und umweltfreundlich doch diese Technik ist?
Wollen sie vielleicht in einem solchen Fall vorrechnen, wie billig doch der Strom ist, der auf diese Weise gewonnen wird? Vielleicht könnten sie ja auch die Betreiber der Kernkraftwerke Fukushima und Tschernobyl fragen, wie toll ökonomisch diese Kraftwerke sich gerechnet haben und das auf den Kilowattstundenpreis umrechnen?
Und wie, meine Herrschaften, rechnet man ein Menschenleben in diesen Preis mit ein?
Wie rechnet man krebskranke Kinder mit ein, wie die auf Jahrhunderte verseuchten Böden, das verstrahlte Meer, die Plutonium-verseuchten Fische, die womöglich auf den Tellern landen?
Wie rechnet man die permanente Angst der Bewohner einer Millionenmetropole wie Tokio mit ein, die sich vor einer radioaktiven Wolke fürchten, wenn der Wind aus der falschen Richtung weht?

Es mag der Tag kommen, da werden wir die Kernkraft besser nützen können, effizienter, mit überschaubarem Risiko, saubere Energie fast unbegrenzt. Möge er bald kommen. Man arbeitet bereits daran.
Die heute (immer noch) verwendeten Verfahren aber sind eine technische Katastrophe, eine Sauerei, ein Eiertanz auf dem Vulkan.
Sie sind nicht nur unverantwortlich. Sie sind ein Verbrechen, ein Mega-Verbrechen sogar. Man sollte ihre Betreiber und die Politiker, die es erlauben, einsperren, alle miteinander, wegen Gefährdung der Allgemeinheit.

So sieht‘s aus, meine Herrschaften, so und nicht anders.
Deshalb sollten sie der Deutschen Regierung zutiefst dankbar sein, dass sie wenigstens jetzt diesen Weg des Abschaltens eingeschlagen hat und sie nicht verdammen. Es wird sich nicht nur wegen der Risiko-Eliminierung auszahlen, sondern langfristig auch ökonomisch, auch wenn das in diesem Fall nun wirklich ihre kleinste Sorge sein sollte.
Copy and paste. Schön gemacht.

Aber Techniker bist Du trotzdem keiner.
KOTZFISCH ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.12.14, 20:20   #5
Dr. Strangelove
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Zitat:
Zitat von KOTZFISCH Beitrag anzeigen
Copy and paste. Schön gemacht.

Aber Techniker bist Du trotzdem keiner.
Nix da copy und paste.
Selbst geschrieben, wie alles, was ich nicht kennzeichne, mein Bester.
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Alt 09.12.14, 20:24   #6
Dobermann
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Zitat:
Zitat von Dr. Strangelove Beitrag anzeigen
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Schau mal da:
http://www.handelsblatt.com/technolo...n/3252014.html
Das ist die Zukunft!
Wenn das einmal klappt, beginnt ein neues Zeitalter.
Wenn, wenn, wenn... Wenn da nicht die Lobbyisten wären. Wir werden noch ein wenig warten müssen, außer die Chinesen legen sich mal ins Zeug.
__________________
Analyse der Wirklichkeit
Dobermann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.12.14, 20:26   #7
Dobermann
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Zitat:
Zitat von KOTZFISCH Beitrag anzeigen
Copy and paste. Schön gemacht.

Aber Techniker bist Du trotzdem keiner.
Von welcher Quelle copy & paste?
__________________
Analyse der Wirklichkeit
Dobermann ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.12.14, 20:28   #8
Dr. Strangelove
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Zitat:
Zitat von Doberman Beitrag anzeigen
Wenn, wenn, wenn... Wenn da nicht die Lobbyisten wären. Wir werden noch ein wenig warten müssen, außer die Chinesen legen sich mal ins Zeug.
2050 steht mal als Datum im Raum.
Ich werde es also vielleicht gerade noch als alter Mann erleben.
Trotzdem ist das "Wenn" schon recht weit gediehen.
http://www.faz.net/aktuell/wissen/ph...-12936369.html
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Alt 09.12.14, 20:32   #9
KOTZFISCH
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Zitat:
Zitat von Doberman Beitrag anzeigen
Von welcher Quelle copy & paste?
Frag ihn bitte selbst.
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Alt 09.12.14, 20:34   #10
KOTZFISCH
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Zitat:
Zitat von Dr. Strangelove Beitrag anzeigen
2050 steht mal als Datum im Raum.
Ich werde es also vielleicht gerade noch als alter Mann erleben.
Trotzdem ist das "Wenn" schon recht weit gediehen.
http://www.faz.net/aktuell/wissen/ph...-12936369.html
Ja nun, werter Doktor, entschuldige falls ich mit C&P falsch liege.
Anderseits postete ich ja über die Suche nach modernen, inhärent sicheren Reaktortypen, welche mir auch lieber wären als Druckwasser, Siedewasser und Co.
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