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Alt 10.02.17, 10:24   #51
Dyrnwyn
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Dyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein ForengottDyrnwyn ist ein Forengott
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Darf ein Präsident sich über Boykottaufrufe gegen Familienmitglieder und deren Firmen auf twitter beschweren?

Ist die Meldung wert, skandalisiert zu werden, so daß selbst deutsche Medien von einem "Verfassungsbruch" phantasieren?
(https://www.welt.de/wirtschaft/artic...e-am-Hals.html)

Objektiv betrachtet natürlich schon. Richtig ist, daß die meisten Staatsoberhäupter sich eher nicht so verhalten hätten. Genauer gesagt: sie würden es nicht öffentlich tun. Gerhard Schröder und viele andere haben so etwas immer hinter den Gardinen gemacht.
Lobbyarbeit für die eigene Familie: klar, aber bitte nicht in die Öffentlichkeit tragen: das ist ansonsten bei Staatschefs westlicher Länder die Devise.
Trump ist eben ehrlich, nicht mehr und nicht weniger.
Was ärgert Trump denn an dieser Entscheidung der Nordstrom-Kaufhaufskette, die angekündigt hatte, die Kollektion der Trump-Tochter Ivanka aus dem Sortiment zu nehmen?
Sicherlich kein wirtschaftlicher oder materieller Grund. Vielmehr die offensichtliche Tatsache, daß hier eine rein politische Entscheidung gegen ein Wirtschaftsunternehmen seiner Familie getroffen wurde. Da kann Nordstrom noch so oft versichern, daß das nicht der Fall sei: alle Trump-Anhänger, und damit 50% der amerikanischen Bevölkerung, werden das nicht glauben.

Damit sind wir wieder bei dem grundsätzlichen Dilemma, vor dem Wirtschaftsunternehmen in den USA wie auch hierzulande heute stehen: positionieren sie sich politisch korrekt, vergraulen sie die Hälfte der Bevölkerung und damit die Hälfte aller ihrer potentiellen Kunden. Der Beifall der Medien und des Establishements nützt ihnen im Endeffekt gar nichts, weil letztlich nur die harten Verkaufszahlen eine Rolle spielen.
Umgekehrt: würden sie sich pro Trump positionieren, würden sie die Kunden auf der anderen Seite verlieren.
Die Gräben sind zu tief geworden, es ist immer weniger möglich, wirtschaftliche Fragen von politischen oder gesellschaftlichen klar zu trennen, wie das zu Zeiten, wo die politische Auseinandersetzung noch mit demokratischen Spielregeln geführt wurde, noch üblich war.
Für diese Eskalation ist das Establishement selbst, sowie die von ihm gesteuerten Medien und ihre Handlanger im Straßenkampf verantwortlich. Ohne Not haben sie den Kampf gegen die überall aufkommenden Alternativparteien auf die Ebene der Hetze, der Bedrohung von Job und Einkommen, sogar der Gewalt heruntergezogen.
Das Ergebnis ist eine tief gespaltene Gesellschaft, ein Kampf, der mit nunmehr allen Mitteln geführt wird. Der vielbeschworene Bürgerkrieg ist damit zwar noch nicht Realität, aber er ist schon ein ganzes Stück näher an diese herangerückt, als es allen Demokraten lieb sein kann.

Jedes Wirtschaftsunternehmen, ob Starbucks oder Nordstrom, sollte sich davor hüten, überhaupt nur den Anschein zu erwecken, politisch auf irgendeiner Seite Stellung zu beziehen. Lidl hat das mit dem Shitstorm nach der Entfernung des Ulfkotte-Plakates gerade vor ein paar Wochen erfahren müssen. Ähnliches gilt für VW und einige andere, die sich gegen die AfD positioniert hatten. Das kann eine große Firma vielleicht noch mit einer 5%Partei machen, wenn diese auch gesellschaftlich ausgegrenzt wird. Die Größe, welche die AfD inzwischen erreicht hat, schließt ein solches Verhalten allerdings in Zukunft aus. Jedes Unternehmen, das überleben will, wird das jetzt lernen müssen. Wahrscheinlich nur durch Schmerzen.
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Volker Kauder:
"Wenn ich höre, dass da ein Spruch wie „Sachsen bleibt deutsch“ gebraucht wird, dann muss ich sagen: Das geht nicht."

N24 Reporterin auf LEGIDA-Demo:
„Hinter mir da laufen die Legida-Anhänger, es sind Tausende, die da heute Abend marschieren, die rufen nicht nur das Wort, das nicht mehr gerufen werden sollte, nämlich Lügenpresse und andere sehr laute und aggressive Parolen, sondern sie schwenken auch Deutschlandfahnen!
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Alt 10.02.17, 11:49   #52
eboshi
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Zitat:
Zitat von Dyrnwyn Beitrag anzeigen
Darf ein Präsident sich über Boykottaufrufe gegen Familienmitglieder und deren Firmen auf twitter beschweren?

Ist die Meldung wert, skandalisiert zu werden, so daß selbst deutsche Medien von einem "Verfassungsbruch" phantasieren?
(https://www.welt.de/wirtschaft/artic...e-am-Hals.html)

Objektiv betrachtet natürlich schon. Richtig ist, daß die meisten Staatsoberhäupter sich eher nicht so verhalten hätten. Genauer gesagt: sie würden es nicht öffentlich tun. Gerhard Schröder und viele andere haben so etwas immer hinter den Gardinen gemacht.
Lobbyarbeit für die eigene Familie: klar, aber bitte nicht in die Öffentlichkeit tragen: das ist ansonsten bei Staatschefs westlicher Länder die Devise.
Trump ist eben ehrlich, nicht mehr und nicht weniger.
Was ärgert Trump denn an dieser Entscheidung der Nordstrom-Kaufhaufskette, die angekündigt hatte, die Kollektion der Trump-Tochter Ivanka aus dem Sortiment zu nehmen?
Sicherlich kein wirtschaftlicher oder materieller Grund. Vielmehr die offensichtliche Tatsache, daß hier eine rein politische Entscheidung gegen ein Wirtschaftsunternehmen seiner Familie getroffen wurde. Da kann Nordstrom noch so oft versichern, daß das nicht der Fall sei: alle Trump-Anhänger, und damit 50% der amerikanischen Bevölkerung, werden das nicht glauben.
Trump sollte sich dazu äussern und betonen daß aus familiären Gründen Ivanka chinesische Connection als letzte gekappt werden bei seiner Politik. Weiter könnte er Androhen daß er Anfeindungen gegen seine Familienmitglieder sehr ernst nehmen wird.
ER sollte sich schleunigst was einfallen lassen gegen die "demokraten"
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«Wenn Menschen aufhören, an Gott zu glauben, dann glauben sie nicht an nichts, sondern an alles Mögliche.
Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.»
Gilbert Keith Chesterton
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Alt 22.02.17, 08:18   #53
Dyrnwyn
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Zusammenbruch der FIAT-Währungen beginnt

Eine kleine Nachricht, deren Bedeutung allerdings nicht hoch genug eingeschätzt werden kann: die östlichen Großmächte beginnen, für ihre Handelsbeziehungen künftig einen Goldstandart einzuführen.
Das läutet das Ende des seit 1971 nicht mehr goldgedeckten Petrodollar, sowie auch des Euro, des Yen, des brit. Pfund und aller anderen beliebig nachdruckbarer Papierwährungen ein, deren Werthaltigkeit durch nichts hinterlegt ist.
Das exzessive Schuldenmachen der Verantwortlichen Regierungen über 40 Jahre hat diese Währungen ruiniert. Jetzt kommt das Ende.
Damit ist auch das Ende dieser Staaten und ihre wirtschftlichen Macht sowie ihres auf Schulden basierten politischen Gestaltungsspielräume vorgegeben.
Die EU wie auch die USA werden wirtschaftlich- und damit auch politisch- in Zukunft eine Rolle spielen, die um Größenordnungen von der Bedeutung entfernt ist, die sie heute noch haben.
Länder wie die südlichen Mittelmeeranrainer der EU werden auf ein Nieveau und einen Lebensstandart zurückfallen, der ihrer wahren Wirtschaftskraft entspricht: Landwirtschaft und Tourismus, einfaches Leben ohne den von der EU-Umverteilungsmaschine garantierten Komfort wird zwangsläufig die Zukunft dieser Gesellschaften sein.
Wenn der Euro international nichts mehr wert sein wird, wenn Öl und andere Rohstoffe nicht mehr mit selbst gerducktem geld, sondern mit hartem Gold bezahlt werden müssen, dann wird auch ein Industrieland wie die BRD für lange Zeit damit beschäftigt sein, die eigenen Schulden, bzw. die für die Südländer übernommenen Schulden zurückzuzahlen.

Die Frage: Werden die Bürger sich das gefallen? Wird es zu Bürgerkriegen oder internationalen Kriegen kommen? Das Konfliktpotential ist jedenfalls da.
Es bedarf nur eines kleinen Schrittes, und der wird offenbar jetzt eingeleitet: die Rohstoffländer drehen den Schuldenländern den Ölhahn ab.
http://www.goldseiten.de/artikel/319...den-Weg--.html
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Alt 03.03.17, 12:35   #54
Dyrnwyn
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Die inneren Widersprüche gendergerechter Sprache

Welcher Satz ist richtig:

a.) Frauen sind die besseren Autofahrer

b.) Frauen sind die besseren Autofahrer und Autofahrerinnen

c.) Frauen sind die besseren Autofahrerinnen



'a' ist offensichtlich falsch, denn er gendert nicht.
'b' dagegen gendert korrekt, ergibt aber keinen Sinn, weil Frauen grundsätzlich keine Autofahrer, sondern Autofahrerinnen sind.
'c' dagegen ergibt auch keinen Sinn, weil es sinnlos ist, eine Gruppe nur mit sich selbst zu vergleichen und dann festzustellen, diese Gruppe wäre besser als sie selbst.

Ein unlösbares Problem, für das mindestens 2 neue Lehrstühle eingerichtet gehören.
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Alt 03.03.17, 12:44   #55
qwertzuiop
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Zitat:
Die inneren Widersprüche gendergerechter Sprache

WelcherSatz ist richtig:

a.) Frauen sind die besseren Autofahrer

b.) Frauen sind die besseren Autofahrer und Autofahrerinnen

c.) Frauen sind die besseren Autofahrerinnen
Frauen sind besser als Autofahrerinnen.
__________________
Und das alles wegen Hitler.




Ich bin ein Freund der Augiasburger Puppenkiste.
Meine Lieblingsmarionette: "Ministerpräsident Horst Seehofer".
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Alt 11.03.17, 11:42   #56
Dyrnwyn
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Gedanke:

Was haben Sarah Wagenknecht und Donald Trump gemeinsam?
Antwort: sie sind beide Interessenvertreter.

Trump vertritt die Interessen seines Landes, Wagenknecht die einer gesellschaftlichen Gruppe im internationalen Maßstab. Man könnte einwenden, Trumps Politik würde tatsächlich seinem Land schaden oder Wagenknechts Vorstellungen wären im Ergebnis gegen die Interessen ihrer Klientel gerichtet. Jedoch kommt es darauf nicht an, entscheidend ist: sie sehen sich selber und verstehen ihre Aufgabe in der Interessenvertretung.
Ob sie damit erfolgreich sind oder nicht, spielt für diese Tatsache keine Rolle.

Nun hört man heutzutage oft Aussagen wie: "Wir leben in einer Zeit, wo die Rechtspopulisten überall das politische Ruder übernehmen."
Oder: "Wir leben in einer Zeit, wo die politischen Extreme wieder stärker werden."

Vordergründig stimmen beide Aussagen und lassen sich leicht belegen. Hinter diesen eher oberflächlichen und banalen Beschreibungen läßt sich jedoch eine grundlegende Erkenntnis finden, die viel mehr an die Wurzel der Veränderungen geht, mit denen wir es aktuell zu tun haben. Diese läßt sich mit Maßstäben wie "rechts/links" oder "gemäßigt/radikal" nicht beschreiben.

Der richtige Satz muß daher heißen: Wir leben in einer Zeit, in der die moralisierende Politik an ihr Ende gelangt ist.

Politik läßt sich grundsätzlich aus zwei Sichtweisen heraus betreiben und begründen: der Interessenvertretung und der Moral.
Beides schließt sich grundsätzlich aus. Wer moralisierende Politik betreibt, muß notwendigerweise die eigenen Interessen oder die seiner Wähler vernachlässigen. Nicht nur der Politiker, auch der Wähler selbst verachlässigt die eigenen Interessen, wenn er politische Ziele unter moralische Vorgaben stellt. (man schaue sich dazu nur z.B. die schwedische Gesellschaft an). Der moralisierende Politiker muß ständig etwas von seinen Wählern verlangen, er gibt ihnen nie etwas, er nimmt ohne zurückzugeben und begründet das mit der Moral.
Ein großes Problem (aber nicht das einzige!) der moralisierenden Politik: Sie funktioniert überhaupt nur dann, wenn alle anderen Staaten sich auch entsprechend verhalten, also auch eine moralisierende Politik betreiben, was aber in der Realität nie der Fall ist. So wird der moralisierende Politiker zum Spieball anderer Interessen, ohne das aber zu erkennen oder gar zugeben zu können. Letztlich bricht er unter der Last der sebst geschaffenen Probleme zusammen (wie gerade an Merkel bestens zu sehen).
Die moralisierende Politik ist eine sehr neue Erscheinung, genauer gesagt, gibt es sie tatsächlich erst seit der Zeit der 68er (was wie ein Klischee klingt, aber tatsächlich zutrifft). Noch die Nachkriegszeit wie die ganze politische Geschichte davor war geprägt durch eine interessenvertretende Politik.
Die interessenvertretende Politik ist nicht nur der historische Normalfall, sie entspricht auch der menschlichen Natur. Nur aus einem natürlich Wettstreit von Interessengruppen (in der Politik eben zwischen Ländern), entsteht letztlich die positive Synthese zum Wohle aller.
( In diesem Extrem ist die Aussage oben allerdings auch wieder falsch und liefe dann auf das Recht des Stärkeren heraus. ) Tendenziell stimmt die Aussage aber.
Wir leben in äußerst spannenden Zeiten. Wir sehen, wie ein komplettes Weltbild gerade zusammenbricht, mit dem die meisten hier aufgewachsen sein dürften.
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Alt 03.04.17, 09:40   #57
Dyrnwyn
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Ein sehr guter Artikel, gefunden über PI:

http://www.prabelsblog.de/2017/04/oh...m-geht-nichts/

Kernaussage: Revolutionen verlaufen nie "wie klein Fritzchen denkt", von unten nach oben, sondern von oben-mitte nach unten. Sprich sie gehen vom Bildungsbürgertum aus. Als Beleg führt der Autor u.a. die sehr treffend beschriebene mitteldeutsche Revolution 1989 aus, die von einer großen Unzufriedenheit innerhalb der Intellektuellen und Künstler ausging, welche sich über Jahrzehnte aufgestaut hatte und erst dann auf den "einfachen Arbeiter" überschwappte.

Wo stehen wir heute in der BRD? Die "Revolution", welche sich in der Existenz von Pegida oder AFD ausdrückt (wenn man sie so nennen will), fehlt nach Meinung des Autors noch der intellektuelle Unterbau im Bildungsbürgertum, wenngleich auch die Verhältnisse in Vielem schon der Endphase der "DDR" sehr ähnlich geworden seien.
Dazu:
Zitat:
In der Praxis sieht das anders aus: Zuerst muß das Bildungsbürgertum aus der regierten Bahn geworfen werden, Zweifel bekommen, seine Gefolgstreue verlieren. In der regierenden Kamarilla und deren Umfeld müssen die Selbstzweifel wachsen.

Das war vor der französischen Revolution so, vor der Oktoberrevolution in Rußland, vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten und vor der 89er Revolution in Osteuropa. Das Bildungsbürgertum hat alle diese Umstürze vorbereitet und wurde nach jeder dieser Revolutionen von den Hebeln der Macht wieder verdrängt. In Frankreich arbeitete die Guilloutine rund um die Uhr, um die Girondisten loszuwerden. In Rußland beseitigten die Genickschußanlagen im Akkord Leninisten und Trotzkisten, in Deutschland wurden die jüdischen und schwulen Jugendbewegten die ersten Opfer der Säuberungen. Auch den osteueropäischen Vordenkern der achtziger Jahre war keine machtpolitische Perspektive vergönnt. Sie müssen heute zusehen, wie in der reaktionären Merkelzeit Stasi und SED ihr häßliches Haupt erheben und triumphieren: Wille, Bretschneider, Kahane. Jede Revolution frißt ihre Intellektuellen.
Der Autor meint weiter:
Zitat:
Trotz der erwiesenen machtpolitischen Impotenz des Bildungsbürgertums muß man seine Rolle bei der Vorbereitung von Revolutionen erkennen und nutzen.
Dazu seien aber weder Petry noch ihr Gegenpol Höcke die richtigen Figuren. Petry würde sich beim System anbiedern und deshalb müsse sie scheitern wie kürzlich die FDP. Höcke wiederum kümmere sich zu wenig um das Bildungsbürgertum. Seine Reden seien zwar emotional, richteten sich aber immer an ein vergleichsweise weniger intellektuelles Publikum.

Mein Fazit: Natürlich hat der Autor recht. Aber was heißt in diesem Zusammenhang "Meinungsführerschaft erringen"? Derzeit sind wir doch wohl eher in der Situation, daß große Teile des Bildungsbürgertums der AFD überhaupt nicht zuhören wollen. Der Speckschicht ist noch zu dick, die Probleme sind noch nicht weit genug vorgedrungen in die Rotweingürtel der Bildungsbürger. Daß sich das in Zukunft ändern wird, ist klar, wenn man sich die zu erwartende Entwicklung der BRD vor Augen führt. Ähnlich wie der Untergang der DDR schon zur zeit der Biermann-Ausweisung vorhersehbar war für den, der in längeren Kausalzusammenhängen denken konnte.
Derzeit jedoch verfolgt die Systempresse, bislang einigermaßen erfolgreich, die Taktik, mit der AfD sachliche Auseinandersetzungen wo immer es geht zu vermeiden.
Um dieses Ziel zu erreichen und die eigene Argumentationslosigkeit nicht offenbar werden zu lassen, wird mit Kampfbegriffen und Schablonen gearbeitet. Die Schablone ersetzt das Argument und das wird bis dato von Reschke und Co. ganz erfolgreich praktiziert. Verbunden natürlich mit einem Totschweigen und Nicht-zu Wort-kommen-lassen, wo immer es möglich ist. Wo es nicht mehr möglich ist, wird mit Kampfbegriffen gearbeiteten, die im Laufe der Zeit ausgewechselt werden. Der "Nazi" hat langsam ausgedient, der "Rassist" ebenso, die Wirkung hat nachgelassen und wird daher vom "Rechtspopulisten" ersetzt. "Rechtspopulist" mag harmloser klingen,jedoch die Funktion ist immer die gleiche: Ablenkung von Sachargumenten, von Programmpunkten. Denn insgeheim weiß man bei den Staatsmedien genau, daß man eine solche Sachauseinandersetzung im Auge der großen Mehrheitsbevölkerung immer verlieren würde.

Wie also das Bildungsbürgertum, den Reschke und Kleber-Konsument, ansprechen? Ist das nur eine Frage von Personen? Das möchte ich doch bezweifeln, denn zweifellos ist Petry eine Fehlbesetzung aber auch ein Gauland an der Spitze wäre keine Garantie, daß dieses Bildungsbürgertum anfangen würde, zuzuhören. Vielmehr wird es wie seinerzeit in der DDR das Anwachsen der realen Probleme sein, welches alle Bevölkerungsgruppen, vom Bildungsbürger bis zum "einfachen Mann auf der Straße" den revolutionären Bewegungen zutreiben wird.
Erst dann werden die richtigen Anführer an der richtigen Stelle ganz von alleine sich einfinden, weil die Unfähigen erfolglos bleiben (Lucke z.B.) und die Fähigen sich durchsetzen werden.
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Alt 03.04.17, 11:09   #58
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Zitat von Dyrnwyn Beitrag anzeigen
[...]Die moralisierende Politik ist eine sehr neue Erscheinung, genauer gesagt, gibt es sie tatsächlich erst seit der Zeit der 68er (was wie ein Klischee klingt, aber tatsächlich zutrifft).[...]
Franklin Delano Roosevelt, Rede in Chicago am 5.10.1937 (sog. "Quarantäne-Rede")
Quelle: "Roosevelt spricht", 1945, Bermann-Fischer-Verlag, Stockholm:


Zitat:
Alle, die ihre Freiheit lieben und ebenso ihren Nachbarn das Recht zubilligen, frei zu sein und in Frieden zu leben, müssen gemeinsam für den Sieg des Rechtes und der Moral wirken, damit Friede, Gerechtigkeit und Zuversicht in der Welt vorherrschen. Es muss wieder dahin kommen, dass man an das gegebene Wort und an den Wert eines unterzeichneten Vertrages glaubt. Es muß als eine Tatsache gelten, dass ein moralisches Verhalten für die Nation genauso wichtig ist wie für den einzelnen.

http://www.geschichtsforum.de/f67/qu...77/index2.html
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JOH 8, 44: Ihr stammt eben vom Teufel als eurem Vater und wollt nach den Gelüsten eures Vaters handeln. Der ist ein Menschenmörder von Anfang an gewesen und steht nicht in der Wahrheit, weil die Wahrheit nicht in ihm ist.
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Alt 03.04.17, 14:35   #59
Dyrnwyn
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Zitat:
Zitat von tOm~! Beitrag anzeigen
Franklin Delano Roosevelt, Rede in Chicago am 5.10.1937 (sog. "Quarantäne-Rede")
Quelle: "Roosevelt spricht", 1945, Bermann-Fischer-Verlag, Stockholm:
Im Mund geführt haben Politiker die Moral zu allen Zeiten. Nur haben sie sich bis 1968 selber nie danach gerichtet, sondern nach Interessen. Am allermeisten übrigens Roosevelt selber, dessen Politik kaum mehr moralisch war als die Hitlers oder Stalins.
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Alt 03.04.17, 15:25   #60
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Im Mund geführt haben Politiker die Moral zu allen Zeiten. Nur haben sie sich bis 1968 selber nie danach gerichtet, sondern nach Interessen.
Daß Moral durch Macht herstellbar ist, wurde als nationale Erfahrung von den demokratischen Besatzern schon mit dem Grundgesetz implantiert. Das hat nichts mit der Studentenrevolte im Jahre 1968 und deren Vordenkern zu tun.

Zitat:
Am allermeisten übrigens Roosevelt selber, dessen Politik kaum mehr moralisch war als die Hitlers oder Stalins.
Dann war sie wohl "ein wenig" moralischer. Inwiefern?
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